An diesem Bericht werde ich wohl immer nur stückchenweise schreiben können, da Jannes uns ganz gut auf Trab hält und jegliche Zeitplanung in Sekundenschnelle wieder über den Haufen wirft. Aber ich versuche es:
Nachdem uns am Montag die Kaiserschnittentscheidung ja doch ein wenig überrascht hat, versuchte ich den Rest den Tages damit zu verbringen, mich und die noch zu erledigenden Dinge auf die Reihe zu kriegen. Plötzlich war das, auf das man sich gedanklich und emotional Monate lang hat vorbereiten können, so nah, so realistisch … und dennoch weiterhin unbegreiflich … Jannes schien von der Unruhe aber auch etwas zu spüren, denn er rotierte so im Bauch, dass ich befürchtete nun doch noch vorab Wehen zu bekommen.
Am nächsten Morgen klingelte der Wecker bereits um 5:20 Uhr, da wir Punkt 6:30 Uhr bereits im Krankenhaus sein mussten. Die Nervosität hielt sich (äußerlich) auch während des CTGs und den anderen OP-Vorbereitungen noch in Grenzen; aber eigentlich bewegte man sich wie ein Akteur im Film und das Geschehen rauschte an einem vorbei. Die Vorstellung, unseren kleinen Sohn in nicht allzulanger Zeit in die Arme schließen zu können, war weiterhin nicht so wirklich möglich. Erst als es für mich im Bett in den Anzug und dann in den OP-Bereich ging, stieg meine Aufregung – okay, so eine sterile OP-Atmosphäre erlebt man nun auch nicht jeden Tag. Das Setzen der PDA ging eigentlich recht problemlos vonstatten, jedoch sackte danach kurz mein Kreislauf weg, so dass mir ganz flau wurde. Das war aber auch kein Wunder, denn schließlich waren es immer noch diese heißen Tage in HH und ich durfte seit dem Vortag um 22 Uhr nichts mehr getrunken haben *lechz* Nachdem die Narkoseärztin meine Kreislauf aber wieder stabilisiert hatte und ich schön tief den Sauerstoff einatmete (dafür ist der GVK wenigstens gut gewesen), durfte auch endlich Stefan zu mir. Leider saß er so, dass ich kaum sein Gesicht sehen konnte, dafür knetete und streichelte ich umso mehr seine Hand.
Die ganze Zeit wartete ich auf ein „Wir legen jetzt los“ o.ä. – doch nichts dergleichen kam. Doch irgendwann begriff ich, da ich Absauggeräusche hörte, das alles schon in vollem Gange ist. Dann kam der Satz: „Es wird jetzt etwas drücken“. Von „Mein B*by“ kannte ich es immer so, dass es dann wirklich nur noch einen Miniaugenblick dauert, bis der Schrei ertönt – umso gespannter lauschte ich also auf das Geschehen hinter dem Vorhang. Es kam mir vor als vergingen Stunden und das vier Leute gleichzeitig auf meinem Bauch herumdrücken und an ihm herumzerren. Dann kam eine Pause und das Ganze begann von vorne … – In der Zwischenzeit habe ich erfahren, dass Jannes’ Kopf (KU 37,5 cm) für den ersten Schnitt zu groß gewesen ist, so er verbreitert werden musste. – Plötzlich hörte ich ein Geräusch, das einem kurzen Schrei recht nah kam und dann noch eins, das unverkennbar ein Schrei war. Wahnsinn! Was in dem Moment in meinem Kopf abgegangen ist, weiß ich schon gar nicht mehr; es war einfach ein Sturm der Gedanken und Gefühle. (Ich weiß gar nicht, wie das OP-Team mich wieder sauber zunähen konnte, da mein Bauch vom Schluchzen immer wieder gezuckt haben muss.) Leider wurde mir unser Schatz nicht sofort gezeigt, nur Stefan durfte über das Tuch schauen und ihn betrachten. Seinen Kommentar „Der sieht schon so fertig [nicht im Sinne von „kaputt“] aus,“ werde ich wohl nie vergessen! Nach einer keinen Ewigkeit wurde er uns endlich gebracht, so dass wir das kleine Gesichtchen bewundern konnten. Von den Augen waren – wenn überhaupt – nur kleine Schlitze zu sehen, dafür haben uns die kleine Stupsnase (die noch leicht blutverschmiert war) und die geschwungenen Lippen gleich bezaubert. Am Anfang konnte ich ihn noch gar nicht anfassen (ist mit den ganzen Kanülen auch extrem schwierig), so überwältigt war ich von dem Anblick, wagte mich dann vorsichtig an das ein oder andere Küsschen auf die Stirn und streichelte sanft mit einem Finger über seine Wange. Alles in allem ein Moment, den ich nicht vergessen werde!
Während ich zugenäht wurde (das muss wohl ziemlich lange gedauert haben, so dass Stefan schon anfing sich Sorgen zu machen) und mit meinen sich überschlagenden Gedanken zurück blieb, begleitete Stefan Jannes schon in den Kreißsaal, so dass er das Vermessen und Wiegen live mitbekam. Im Aufzug erfuhr auch ich dann von seinen stolzen Maßen – spätestens in dem Augenblick wurde mir klar, dass wir mit dem Kaiserschnitt die richtige Entscheidung getroffen haben. Als ich in den Kreißsaal geschoben wurde, erwartet mich ein ganz süßes Bild: Stefan saß auf einem Stuhl, ein kleines Bündel im Arm und es herrschte absolute Stille, denn schon zu dem Zeitpunkt hatte Jannes die extrem beruhigende Wirkung vom Nuckeln an Papas kleinem Finger entdeckt! Mein Dreamteam hatte sich gefunden
Die anschließenden fast 3 Stunden im Kreißsaal haben wir richtig genossen und versucht unser kleines Wunder zu begreifen. (Schon mal vorweg: Noch heute kann ich mir nicht vorstellen, dass dieser Wicht, der gerade selig auf dem Sofa schlummert, monatelang in meinem Bauch heran gewachsen ist und dass seine Füße, die fleißig durch die Gegend strampeln, am Abend vor der Geburt noch meine Bauchdecke von innen bearbeitet haben.) Die Namensfrage war auch durch die einfache Frage: „Das ist ein Jannes, oder?“ schnell geklärt.
Die folgenden Tage im KH kann ich schon fast gar nicht mehr auseinander halten. Auf der einen Seite setzten mir die Narbe und die Darmträgheit sehr schmerzhaft zu (das ist teilweise auch jetzt noch so), auf der anderen Seite wollte das mit dem Stillen nicht so richtig klappen. Am dritten Tag saß ich früh morgens heulend im Stillzimmer und verzweifelte an meinem Kind, das nicht trinken wollte, während des Stillen laufend einschlief und in der Zwischenzeit so sehr abgenommen hatte, dass er nun Hungerfieber bekam. Aufgrund dessen wurde das erste Mal zugefüttert, um das Fieber wieder zu senken. Im Laufe des Tages wurde dann festgestellt, dass ich definitiv zu wenig Milch für seinen großen Hunger hatte, so dass das Stillen für ihn ziemlich frustrierend war. Seitdem betreibe ich einen zeitraubenden Mix aus Stillen, Abpumpen und Pre zufüttern, mit dem Ziel irgendwann aber nur Stillen zu können. Als ich dann erfuhr, dass der allererste Termin für eine mögliche Entlassung der vergangene Sonntag (= 1. Hochzeitstag) sei, hatte ich ein großes Ziel vor Augen, das ich zum Glück auch erreicht habe.
Nun versuchen wir uns zu Hause zu dritt einzuspielen, wobei ich sehr froh bin, dass mir Stefan (der noch bis Anfang nächster Woche Urlaub hat) sehr viel abnimmt, da ich mit der Narbe noch nicht so kann wie ich will. Auch hat er eine absolut beruhigende Wirkung auf seinen Sohn, die ich dann natürlich gern nutze. Die beiden harmonieren super miteinander – wie der Vater, so der Sohn! Dazu gab es gestern Morgen eine ganz süße Szene: Jannes schlief noch eine Runde in Papas Armbeuge, beide mit hochgereckten Armen und offenem Mund; plötzlich wurden beide gleichzeitig wach und reckten sich und gähnten auch zeitgleich. Das war einfach ein Bild für die Götter
Gestern habe ich mit Erstaunen festgestellt, dass Jannes nun schon eine Woche alt war. Dabei war mir so, als ob ich gestern erst erstaunt festgestellt habe, dass er „schon“ einen Tag alt ist. Wahnsinn; man ihn sich schon gar nicht mehr wegdenken! Und nun sind wir gespannt, was er noch so für Überraschungen für uns bereithält.
An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei allen für die lieben Glückwünsche im Blog, per Mail und SMS bedanken!!!


















Veröffentlicht von nio am 11. Juni 2008 um 17:35
liebe micha, lieber stefan,
auch hier noch einmal alles liebe zur geburt eures sohnes. einen dicken knutscher an euch und danke für den bericht.
lg, nio & kilian
Veröffentlicht von schnuten am 11. Juni 2008 um 20:27
danke für den bericht!
)
habt ihr ganz toll gemacht.
hach… ich wünsch euch eine schöne eingewöhnungszeit und dass sich das mit dem Stillen bald einpendelt… und das wird es bestimmt.
Grüsse
Veröffentlicht von Simi am 11. Juni 2008 um 21:12
*schluchz*, was für ein schön geschriebener Bericht.
Da kommen all die Erinnerungen wieder hoch.
Das Stillen wird schon noch, ihr müßt das ja beide erst „lernen“!
Genießt eure Dreisamkeit!!!!
Veröffentlicht von Alexandra am 11. Juni 2008 um 22:52
Er ist so ein niedliches Knöpfchen…
Schön zu lesen, wie alles so abgelaufen ist. Und klar ist es erst mal alles völlig überwältigend.
Ich drück ganz feste Däumchen, dass das mit dem Stillen sich rasch einspielt. Aber Du hörst Dich so motiviert an, das wird schon alles klappen.
In Bezug auf deine Mail:
Wir wollten auch erst mal unsere Ruhe haben und uns einpendeln. Ich glaube es war bei uns ca. zwei bis drei Wochen, nach denen wir dann langsam gewillt waren, dem Rest der Welt unser kleines Wunder zu präsentieren.
Ich drück Euch und wünsch Euch weiterhin eine gute Zeit.
Bis in bälde!!!!
Veröffentlicht von Soljankafan am 13. Juni 2008 um 20:18
Ach sind das schöne Fotos!!
Den bericht les ich mir durch, wenn ich mal etwas mehr Zeit habe.
Gruß